Wurzeltanz

Dancing with roots, writing through change

Zwischen Wurzeln und Wandel schreibe ich über das, was in mir und um mich lebt.
Japanerin, seit einigen Jahren in Deutschland.

Der Sonntagmorgen gehört mir.


Mein Mann schläft noch, mein Kind ist vermutlich in ihrem Zimmer beschäftigt, und ich sitze mit unserem Hund auf dem Sofa, eine Tasse Kaffee in der Hand, eingehüllt in eine Decke.

Draußen ist es still. Nur das Zwitschern der Vögel, das ferne Rauschen der Straße und das sanfte Atmen meines Hundes neben mir.

Kein Kalender, keine E-Mails, keine Fragen. Nur ein paar Minuten, die ganz mir gehören.

Solche Momente sind selten geworden. Zwischen Arbeit, Familie, Organisation und Erwartungen bleibt kaum Raum für Stillstand. Gerade Mütter bewegen sich oft in einem unsichtbaren Spannungsfeld – zwischen Selbstverständlichkeit und Selbstverlust.

Wir sollen funktionieren, lächeln, organisieren, lieben, leisten.

Und dabei bitte gelassen bleiben.

Aber an einem Morgen wie diesem spüre ich: Ruhe ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Sie ist keine Pause vom Leben – sie ist Leben.

In der Stille erinnert sich etwas in mir daran, wer ich bin, wenn niemand etwas von mir will. Eine Frau, die einfach ihren Kaffee trinkt. Die nicht plant, nicht multitaskt, sondern einfach atmet.

Mein Hund rührt sich, seufzt leise und legt den Kopf auf meinen Schoß. Ich bleibe sitzen. Der Kaffee ist längst kalt, aber dieser Moment – dieser kleine Akt der Selbstfürsorge – fühlt sich an wie Widerstand.

Vielleicht ist genau das die leise, unsichtbare Arbeit, die wir täglich leisten: Ruhe zu bewahren, uns selbst wiederzufinden und dem Alltag für ein paar Minuten zu entkommen.

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Eine Antwort zu „Unsichtbare Arbeit der Ruhe“

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